2006-06-29

Azubi-Hommage

Ihr werdet mir fehlen, jedeR Einzelne von Euch.

Ihr, die Ihr keine Fragen stellt und doch wissbegierig seid, Ihr, die Ihr unterschiedlicher nicht sein könnt und Euch doch so ähnlich seid, Ihr, die Ihr noch Euer ganzes Leben vor Euch habt, Ihr, die Ihr jung, wild und rebellisch seid, Ihr, die Ihr doch so erwachsen und auf der anderen Seite doch manchmal so naiv und unbehholfen seid, Ihr, die Ihr das Vertrauen in die Menschheit noch nicht verloren habt, Ihr, die Ihr vor Toleranz nur so zu sprühen scheint, Ihr, die Ihr Euch aber untereinander keine Schwächen zugesteht, Ihr, die Ihr mich jeden Tag auf's Neue fordert, Euer Recht einfordert, mir manchmal keine ruhige Minute laßt.

2006-06-28

Selbstverständlich

Anruf!

Wir müssen reden.
Worüber?
Über das was mal sein wird, wenn wir nicht mehr da sind.
Wie meinst Du das?
Naja wie alles mal aufgeteilt wird.
Aber doch nicht jetzt.
Doch jetzt, wir müssen das klären so lange wir es noch klären können. Es soll alles seine Ordnung haben.

Das ist wie ein kleiner Abschied, ein Abschied auf Raten.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Menschen nicht mehr da sind, ich sie nie mehr sprechen kann, nie mehr sehen kann, nie mehr mit ihnen lachen kann, mir nie mehr bei ihnen Rat holen kann.
Viele Dinge sind so selbstverständlich im Leben und man sieht erst, wenn man sie nicht mehr hat, daß nichts selbstverständlich ist und irgendwie doch, auch das Menschen kommen und gehen.

2006-06-09

Großer Bruder

Es ist schon eine Weile her, daß ich u.a. mit meinem Bruder auf einem Konzert in Kleinkleckersdorf war.

Früher wären wir wahrscheinlich nie zusammen auf ein Konzert gegangen, zu unterschiedlich schienen unsere Geschmäcker und Ansicht über das Leben im einzelnen und besonderen zu sein. Aber weit gefehlt, wir sind uns wahrscheinlich ähnlicher als wir es beide für möglich halten.

Naja mein großer Bruder macht sich ständig Sorgen um seinen kleinen Bruder, was manchmal schon ziemlich anstrengend sein kann und so macht er sich auch Sorgen um seine Entwicklung, sein Sein und sein Werden. Ich denke, er kann sich entspannen, kann sich zurücklehnen ohne den Blick auf seinen kleinen Bruder zu verlieren. Der kleine Bruder führt ein gutes Leben, sicherlich ein sehr besonderes und spezielles, aber dennoch gutes Leben nach seinen Möglichkeiten. Und vor allem er lebt! Auch wenn es heute so aussieht, als wenn es nie so normal und gewöhnlich sein wird, wird er doch seinen Weg finden. Seinen Weg, sein Leben zu leben und Ruhe zu finden.

Große Brüder sind gut, es ist schön das sie da sind, daß man weiß was man an ihnen hat, es ist schön, wenn man sie zu schätzen weiß. Das habe ich erst wirklich in den letzten Monaten gelernt, meinen großen Bruder zu schätzen wissen, gelernt hinzusehen, daß er wirklich da ist, für mich da ist, weil ich ein Teil von ihm bin genau wie er ein Teil von mir ist.

Und ja großer Bruder, das Leben kann ganz einfach sein, auch für mich. Ich hab die gleichen Regeln, wie der Rest der Welt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, Du genauso wie ich. Nur sind in Deinem Päckchen andere Dinge als in meinem und unsere Eltern haben wieder ganz andere Dinge in ihrem Päckchen.

Die Sonne geht jeden Morgen auf und jeden Abend wieder unter, für jeden.

2006-06-08

Denk nicht an den Rest der Welt

Ist das wirklich so einfach? Nicht nach rechts oder links denken oder gar sehen?

So funktioniert das Leben leider nicht. Leben und leben lassen ist ein schönes Lebensmotto, aber nicht in dieser, unseren Gesellschaft, zu schief ist ihr Blick, zu laut ihr Getratsche oder ihr Schweigen, zu dunkel auch der hellste Tag. Wird es je funktionieren nicht an den Rest der Welt zu denken und sein Leben einfach zu leben?

Ich versuche es jeden Tag und an 364 Tagen im Jahr funktioniert es auch, aber dann kommt wieder ein einziger Tag dazwischen. Ein Tag an dem man kein Licht am Horizont sieht, an dem man sich so viele sinnlose Fragen stellt, auf die es sowieso keine Antwort gibt, ein Tag an dem du hörst "... ich seh dich als Mensch ...", was ich durchaus zu schätzen weiß, aber genau an diesem Tag willst du diesen doch so toleranten Satz, diesen Satz voller Rücksichtnahme, diesen Satz der dir Normalität widerspiegeln soll, dieses psychologische Gewäsch, nicht hören. Genau an diesem Tag willst du nicht hören "... ich seh dich als Mensch ...", genau an diesem Tag willst du "... ich seh dich als Mann ..." hören.