2006-07-25

Penisnight

Sie haben mich eine Stunde meiner Arbeitszeit gekostet, sagte mir mal jemand. Die Recherche nach Drag Kings im Internet kostete ihn eine Stunde, eine Stunde die für manchen eine Bereicherung ist, für manchen eine Erweiterung des Horizonts ist und für manchen ein Lebensgefühl ist.

Sie können süchtig machen, die Kings, Ihr, die Könige der Bühne, Ihr, die Könige der Nacht und Ihr ganz speziellen Kingz, Ihr Fronck de Sásters, Ihr Toni Transits, Ihr Moritz G.s, Ihr fucking Americans ...

Drag King ist die englische Bezeichnung für Menschen mit zugewiesenem Geschlecht weiblich, aber (fast) jeder Geschlechtsidentität, die Männlichkeit zur Schau stellen. Sie haben ihren Ursprung in der anglo-amerikanischen Lesbenszene Anfang der 90er Jahre, greifen dabei teilweise jedoch auch auf die wesentlich ältere Butch-Tradition zurück.
Männlichkeit und männliche Attribute werden von Drag Kings sowohl übertrieben und persifliert, also in ihrer Konstruiertheit und Künstlichkeit dargestellt, als auch täuschend echt nachgemacht.
Dabei ist äußerst unterschiedlich, wie und wo ein Drag King Männlichkeit zeigt; das kann nur gelegentlich, zum Beispiel auf der Bühne oder auf Partys, der Fall sein. Ein Drag King kann aber auch im Alltag teilweise oder vollständig eine männlich(er)e Geschlechtrolle leben.


Ich mag Eure Show, auch wenn sich meine Prioritäten mittlerweile geändert haben. Die Bühnenrollen sind ähnlich geblieben, aber sie entwickeln sich immer weiter und meine Vorlieben für sie haben sich verändert. Ich muß sagen, ich kann mich nicht satt sehen, habe ich doch bestimmte Nummern schon so oft gesehen und doch sind sie mir nicht über, ganz im Gegenteil.

Anfänglich dachte ich nur coole Show und habe das was dahinter steht nicht gesehen. Jetzt ein paar Jahre später, ein paar Lebenserfahrungen mehr, ein paar Gespräche weiter, sehe ich immer noch die coole Show von Euch "Rampensäuen" (O-Ton FdS) und die Botschaft, die Ihr in den letzten Jahren in die Welt getragen habt. Ihr habt Pionierarbeit geleistet.

2006-07-21

swimming

Etwas Normalität ist in mein Leben getreten. Ich will nicht behaupten, daß mein Leben unnormal ist, nicht für mich, ganz im Gegenteil. Ich find es total normal, aber der Rest der Welt würde jetzt mit dem Kopf schütteln und mir vermutlich einen Vogel zeigen. Egal! Ich geh wieder schwimmen und obwohl es ein eingeengtes Gefühl ist, ist es auch ein Stück Freiheit, Freiheit die mir selber verwehrt habe, die ich mir nicht geben konnte. Im Moment kann ich sie mir geben und ich kann sie geniessen, für den Moment.

2006-07-18

U.

Keine Ahnung wie lange wir uns jetzt schon kennen, aber ich weiß noch genau wie wir uns kennengelernt haben. Es war eine Teamleiterabschlußfahrt, von dem Verein wo wir beide als Teamleiter ins Ferienlager gefahren sind. Ich weiß noch heute was ich damals dachte, komischer aber netter Typ mit seinen Locken, einer mit der ewigen Jugend. Der Abend war lang und sehr feucht mit Grüner Wiese. Ich glaube, ich habe danach nie wieder Grüne Wiese getrunken. Wir tauschten auf der Fahrt unsere Telefonnummern und es entstand eine Freundschaft, wie ich sie noch kein zweites Mal erlebt habe. Fortan sahen wir uns jede Woche, telefonierten mehrmals die Woche, lernten uns in und auswendig kennen.

Die Jahre zogen ins Land, Du hast Dein Geld mit diversen Jobs als Stuntman, im Wettbüro etc. verdient, hast Dein Abitur auf der Abendschule gemacht und ich studierte, naja ich jobbte mehr als das ich studierte. Nach Deinem Abitur wolltest Du Politik studieren. Ich weiß noch, daß ich mich mit meiner jugendlichen Hochnässigkeit fragte, warum Du noch studieren willst, in Deinem Alter und dann auch noch Politik, aber ich wußte schon damals, daß Du Deinen Weg gehen wirst. Du bist zwischenzeitlich umgezogen, wohntest nicht mehr in meiner Nähe, was es etwas schwieriger machte sich zu sehen und irgendwann ist unser Kontakt abgebrochen. Ich weiß bis heute nicht warum, schließlich wohnten wir noch immer in der gleichen Stadt. Ich beendete mein Studium, ohne Dich, ich zog weg, ohne Dich, ich begann meinen ersten wirklichen Job, ohne Dich und doch warst Du immer dabei, in meinem Herzen.

Vier Jahre sind vergangen. Ich wollte Dich immer anrufen, Dir eine Email schreiben und doch habe ich es gelassen. Ich weiß nicht warum ich es nicht getan habe, hatten wir doch keinen Streit oder sonst was, was mich daran vielleicht hätte hindern können. Heute denke ich, vielleicht brauchte ich einfach die Zeit für mich ohne wirklich zu wissen, daß ich sie für mich brauche. Ich habe mich in den Jahren von vielen Menschen zurückgezogen. Vielleicht um einfach neu anzufangen - ich weiß es nicht.

Die Sehnsucht wurde groß, zu groß als das ihr noch hätte widerstehen können. Ich schickte Dir eine sms, es war zu Weihnachten, ich unterschrieb sie nicht, wie auch. Du konntest mit meiner Nummer nichts mehr anfangen, hast mir fragend geantwortet und mich dann sofort angerufen. Wir telefonierten eine halbe Ewigkeit, Du hast Dein Studium gerade beendet, arbeitest beim Fernsehen, bist wieder umgezogen, hast Dich grad getrennt und wir verabredeten uns zum Essen.

Du siehst gut aus, habe ich zu Dir gesagt und ich hatte das Gefühl, daß ich Dich vorige Woche das letzte Mal gesehen habe.

Schön, daß Du wieder in meinem Leben bist, nicht das Du da je rausgewesen wärst, aber schön, daß wir uns wieder sehen, miteinander reden, einander hören - Du hast mir gefehlt.

2006-07-10

Stöckchen

Da ich Lukas wahrscheinlich keinen Wunsch abschlagen kann, werde ich das Stöckchen mal aufnehmen.

Welche 5 Städte/Orte möchtest Du in Deinem Leben auf jeden Fall noch (einmal) sehen?

Die Wohnung meiner Oma - um mich zu verabschieden, von einem lieben Menschen, den ich sehr vermisse und von einem Teil meiner Kindheit.

Zandvoort - einfach ohne Worte. Der Ort wo ich das erste Mal seit Jahren wieder Freiheit gespürt habe.

Die perfekte Welle - wie und wo auch immer sie ist.

Paris - ich kenne keine Stadt über die die Meinungen so auseinander gehen. Ich möchte mir mein eigenes Bild machen.

Strand - wenn ich wüßte, ich müßte morgen sterben, würde ich mir heute den Sonnenuntergang und morgen den Sonnenaufgang am Strand ansehen.

Welche technische Entwicklung willst Du in Deinem Leben unbedingt noch erleben?

Ich gebe auf Technik ja nicht so viel. Das was an Technik da ist erleichtert mir die Arbeit und spart Zeit, mehr nicht. Beamen wäre schon ganz nett, aber tut das Not? Solarautos wären bei den Benzinpreisen auch nicht schlecht. Aber die perfekte Transplantation, ohne Komplikationen oder Funktionseinbußen, das wäre es!

Wenn Du eine historische Person sein könntest: Welche wäre das wohl?

Martin Luther King, weil er den Traum von Freiheit hatte.

"... And when we allow freedom to ring, when we let it ring from every village and hamlet, from every state and city, we will be able to speed up that day when all of God's children - black men and white men, Jews and Gentiles, Catholics and Protestants - will be able to join hands and to sing in the words of the old Negro spiritual, 'Free at last, free at last; thank God Almighty, we are free at last.' ..."
(Martin Luther King, Jr. "I have a dream" Washington 1963)

Wie definierst Du absolute Liebe?

Gibt es wirklich das Absolute? Ich denke nicht, zumindest ist mir das Absolute noch nie begegnet und eben auch nicht die absolute Liebe. Die wahre Liebe, die einzige Liebe, die, denke ich, gibt es, nur weiß man es meist erst hinterher. Ich denke, man weiß es nie in dem Moment, sondern erst wenn man sie nicht mehr hat, wenn man die wahrhafte Einzigartigkeit verloren hat. Ich habe ein Gefühl dazu, wenn etwas sehr besonders ist, ich habe ein Gefühl dazu, wenn etwas Besonderes passiert, aber ich habe kein Gefühl dafür, wenn etwas einzigartig ist. Dieses Gefühl bekomme ich erst, wenn es vorbei ist.

2006-07-07

Vaterschaft

Vater sein, was bedeutet das eigentlich? Wenn man ein Kind zeugt, ist man dann schon Vater? Macht man Vatersein an der Zeugung, an der Genetik fest? Kann man auch ein Vater sein, wenn es nicht die leiblichen Kinder sind? Kann man sein Kind genauso lieben, wie sein leibliches Kind? Welches Recht hat man überhaupt die Vaterrolle zu übernehmen?

Vaterschaft ist nach anthropologischen Erkenntnissen immer ein Konstrukt, das sich nach den geschichtlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen der jeweiligen Zeit bestimmt und verändert.

Sozialwissenschaftliche Theorien - etwa die des sozialen Konstruktivismus - verstehen unter Vater denjenigen, der die soziale Rolle der Vaterschaft wahrnimmt, im weiteren Sinne ein Lebenspartner eines Elternteils, das dem Kind gegenüber eine verbindliche Vaterrolle übernimmt.

Diese Fragen werden sich zeugungsunfähige Väter nie beantworten können und doch würde ich das ganz klar mit einem JA beantworten.

Was spielen Biologie und Genetik für Liebe eine Rolle?