Manche Dinge ändern sich nie
Ich bin auf dem Weg zur S-Bahn, zu der S-Bahnstation wo ich aufgewachsen bin. Eigentlich bin ich ja schon dort und will von genau da losfahren, wo ich vor 15 Jahren jeden Tag losgefahren bin. Ich gehe die Treppen hoch und schaue, wieviel sich in den letzten 15 Jahren verändert hat. Das Einkaufscenter ist aus dem Boden gewachsen ist, hat sich mittlerweile mit Leben gefüllt. Auf der S-Bahnüberführung schaue ich zu dem Haus, wo ich groß geworden bin, wo ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Es ist mittlerweile saniert, hat eine neue Fassade, irgendwie sieht es noch so neu aus, als ob es erst vor kurzer Zeit gebaut worden ist. Ich suche die Balkons ab und sehe, daß das Dach was mein Vater auf unseren Balkon gesetzt hat, mittlerweile durch ein neues Dach ersetzt worden ist. Ich gehe die Brücke lang und seh mir die Leute an, die mir entgegen kommen. Sie hetzen nach Hause oder zum Einkauf, niemand schaut hoch, alles sehr anonym, wie die Großstadt eben ist. Und doch entdecke ich einen Mann, der nicht hetzt, der langsam und gemächlich die S-Bahnüberführung entlang geht. Er hat Arbeitskleidung an, eine blaue Latzhose und eine blaue Jacke dazu. In der rechten Hand trägt er einen Stoffbeutel. Immer noch genau wie vor 15 Jahren - Schröder. Ich habe seinen Vornamen vergessen, irgendwie hieß er immer nur Schröder. Er wohnte im gleichen Haus wie ich, in der 2. Etage und er scheint dort immer noch zu wohnen. Ich schätze er ist mittlerweile Ende 30 vielleicht auch schon 40 Jahre und er ist immer noch da, in diesem Haus, bei seinen Eltern. Für ihn scheint sich die Welt nicht weitergedreht zu haben. Er sieht aus wie früher, hat den gleichen Gang und er trägt immer noch einen Stoffbeutel in seiner rechten Hand.
Ich lächle in mich hinein und steige in die Bahn.
